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CALIBRITE LEARNING CENTER | VON ALAN SHAPIRO

Lerne deine Farbtafel kennen:
Ein Leitfaden für Color Perfectionists
zum ColorChecker Classic mit 24 Farbfeldern

Du hältst eines der wichtigsten Werkzeuge in der Geschichte der Fotografie in den Händen. Seit 50 Jahren basieren Bilder aus Editorial-Shootings, wissenschaftlicher Forschung und Hollywood-Produktionen auf der Grundlage, die diese Farbtafel liefert. Jetzt gehört sie dir.

So nutzt du sie richtig.

Was du hier eigentlich vor dir hast.

Der ColorChecker Classic besteht aus einem 4 × 6-Raster mit 24 Farbfeldern, angeordnet in vier Reihen mit jeweils sechs Feldern. Jedes Feld wurde wissenschaftlich entwickelt, um die Farbe eines realen Motivs aus der Natur darzustellen. Dabei reflektiert es Licht unter jeder Beleuchtung und bei jedem Farbwiedergabeverfahren auf die gleiche Weise wie sein reales Gegenstück. Genau das macht diese Farbtafel so besonders. Es handelt sich nicht um willkürlich ausgewählte Farben, die einfach gut aussehen sollen. Es sind kalibrierte Referenzen, die sich unter jeder verwendeten Lichtquelle vorhersehbar verhalten.

Die vier Reihen sind wie folgt aufgebaut:

Reihe 1: Natürliche Farben.

Die Farben, die du tatsächlich fotografierst: Dunkle Haut, Helle Haut, Blauer Himmel, Blattgrün, Blaue Blüte und Blaugrün. Diese Felder gibt es, weil Kameras Hauttöne, Himmel und Blätter besonders häufig falsch wiedergeben – und weil dem menschlichen Auge bei diesen Farben sofort auffällt, wenn etwas nicht stimmt.

Reihe 2: Häufig vorkommende Farben.

Orange, Purpurblau, Mittelrot, Violett, Gelbgrün und Orangegelb. Diese Felder zeigen, wie deine Kamera Farben wiedergibt, die zwischen den Primärfarben liegen – genau in dem Bereich, in dem sich die meisten Farben der realen Welt befinden.

Reihe 3: Primär- und Sekundärfarben.

Blau, Grün, Rot, Gelb, Magenta und Cyan. Sie sind die Grundbausteine der additiven (RGB) und subtraktiven (CMYK) Farbwiedergabe. Was deine Kamera für Rot hält und was Rot tatsächlich ist, sind häufig zwei verschiedene Dinge. Diese Reihe macht den Unterschied sichtbar.

Reihe 4: Die Graustufen.

Sechs Felder von Weiß bis Schwarz. Diese Reihe wirst du im Alltag am häufigsten verwenden. Wenn ein neutrales Grau in deinem Bild neutral erscheint, ist deine Farbbalance korrekt. Wirkt das Grau warm oder kühl, zeigt es dir genau, was du korrigieren musst – ohne zu raten.

 

Behandle sie mit Sorgfalt. Denn darauf kommt es an.

Diese Farbtafel ist ein Präzisionsinstrument. Die Farbfelder sind kalibriert. Ihre Genauigkeit ist der ganze Sinn der Sache. Wenn diese Genauigkeit beeinträchtigt wird, gilt das auch für alles, was darauf aufbaut.

Berühre niemals die Farbfelder. Wirklich nie. Das Fett deiner Finger beschädigt mit der Zeit die Oberfläche. Ein beschädigtes Feld liefert fehlerhafte Messdaten. Fehlerhafte Daten führen zu fehlerhaften Profilen. Fehlerhafte Profile führen zu fehlerhaften Farben. Die gesamte Kette bricht bereits beim ersten Glied.

Halte die Farbtafel an den Rändern. Dafür sind sie da.

Bewahre sie vor direktem Licht geschützt auf, wenn du sie nicht verwendest. Längere UV-Einstrahlung lässt die Farbfelder mit der Zeit verblassen. Das Etui der Passport-Version schützt die Farbtafel automatisch. Bewahre den eigenständigen Classic mit der Vorderseite nach unten oder in einer Schutzhülle auf.

Tausche sie aus. Calibrite empfiehlt, deinen ColorChecker je nach angesammelter Lichteinwirkung alle zwei bis vier Jahre zu ersetzen. Eine verblasste oder verunreinigte Farbtafel ist schlimmer als gar keine, weil sie dir falsche Sicherheit vermittelt. Du solltest wissen, wann es Zeit ist, sie auszumustern.

So fotografierst du die Farbtafel richtig.

Ein brauchbares Referenzbild aufzunehmen klingt einfach. Einige Fehler passieren jedoch häufiger, als sie sollten.

Fülle den Bildausschnitt angemessen aus. Die Farbtafel sollte mindestens 5 bis 10 % des Bildes einnehmen, damit die Profilierungssoftware sie zuverlässig auslesen kann. Ist sie zu klein, funktionieren die Berechnungen nicht richtig. Ist sie zu weit entfernt, erhältst du ungenaue Messwerte. Bei der Passport-Version bedeutet das, dass du näher herangehen musst, als du vielleicht erwartest.

Fotografiere sie im gleichen Licht wie dein Motiv. Das ist die wichtigste Regel. Eine Farbtafel, die unter einem anderen Licht als dein Motiv fotografiert wurde, ist für die Profilierung dieses Motivs unbrauchbar. Gleicher Standort, gleiche Lichtquelle, gleicher Einfallswinkel. Was die Farbtafel erfasst, bildet die Grundlage deines Profils.

Fotografiere sie gerade und nicht schräg. Die Farbtafel sollte parallel zur Sensorebene deiner Kamera ausgerichtet sein. Eine schräge Position verursacht Reflexionen auf einigen Feldern und Schatten auf anderen, wodurch die Messwerte verfälscht werden. Nutze den integrierten Aufsteller des Passport oder lege den eigenständigen Classic flach auf eine Oberfläche.

Vermeide Reflexionen auf den Farbfeldern. Kontrolliere deine Aufnahme, bevor du das Set verlässt. Wenn du auf einem Feld eine helle Stelle oder eine Spiegelung erkennst, positioniere die Farbtafel neu oder versetze deine Lichtquelle. Reflexionen werden als Überbelichtung erfasst. Überbelichtete Felder lassen sich nicht präzise profilieren.

Fotografiere im RAW-Format. Immer. Bei der JPEG-Verarbeitung wird die Farbinterpretation deiner Kamera bereits in die Datei eingerechnet, bevor die Profilierungssoftware auf die ursprünglichen Sensordaten zugreifen kann. RAW liefert der Software die unverarbeiteten Daten. Genau diese benötigt sie, um ein präzises Profil zu erstellen.

Nimm für jedes Lichtsetup und jedes Objektiv ein eigenes Referenzbild auf. Fotografiere die Farbtafel erneut, sobald du das Objektiv wechselst oder in eine neue Lichtsituation wechselst. Ein Profil, das mit deinem 85-mm-Objektiv erstellt wurde, bildet nicht vollständig ab, was dein 35-mm-Objektiv wiedergibt. Ein Color Perfectionist berücksichtigt jede Variable innerhalb der Kette.

Das Profil erstellen.

Sobald du dein Referenzbild aufgenommen hast, ist der weitere Ablauf unkompliziert.

Öffne Calibrite PROFILER, lade deine RAW-Datei und lasse die Software die Farbtafel automatisch erkennen. Sie liest jedes einzelne Farbfeld aus, vergleicht die Wiedergabe deiner Kamera mit den bekannten Referenzwerten und berechnet ein Korrekturprofil, das speziell auf deine Kamera, dein Objektiv und dein Licht abgestimmt ist. Dieses Profil wird als DNG- oder ICC-Datei gespeichert und direkt in Lightroom installiert.

Anschließend kannst du das Profil bereits beim Import anwenden. Jedes Bild aus dieser Aufnahmeserie beginnt damit auf einer Grundlage aus bekannten, präzisen Farben.

Du musst das Profil nicht bei jedem Shooting neu erstellen. Erstelle jeweils ein Profil pro Kameragehäuse, Objektiv und wichtiger Lichtart: Tageslicht, Kunstlicht und Blitzlicht. Baue dir diese Bibliothek systematisch auf. Dann kannst du dich darauf verlassen.

Eine wichtige Erinnerung gehört ebenfalls hierher: All das funktioniert nur, wenn dein Monitor kalibriert ist und du mit einem individuellen Displayprofil arbeitest. Wenn dein Bildschirm dich täuscht, werden die präzisen Farben deiner Kamera lediglich an einer späteren Stelle der Kette verfälscht. Kalibriere zuerst deinen Monitor. Dieser Schritt ist nicht optional.

Was du tatsächlich geschaffen hast

Ein individuelles Kameraprofil ist nicht nur ein technisches Ergebnis. Es ist eine kreative Grundlage.

Wenn du weißt, dass deine Farben bereits bei der Aufnahme präzise sind, triffst du jede Entscheidung bei der Bearbeitung bewusst. Du korrigierst keine Probleme, die du selbst verursacht hast. Du baust auf verlässlichen Werten auf. Die Wärme, die du bei der Nachbearbeitung hinzufügst, ist eine bewusste Entscheidung. Die Sättigung, die du reduzierst, ist eine bewusste Entscheidung. Die Stimmung, die du erzeugst, ist eine bewusste Entscheidung.

Genau das tun Color Perfectionists. Sie beseitigen die Variablen, die sie kontrollieren können, damit nur diejenigen übrig bleiben, für die sie sich bewusst entschieden haben.

Die Idee hinter deiner Farbtafel ist 50 Jahre alt und funktioniert noch immer, weil sich die Physik nicht verändert hat. Licht verhält sich genauso wie immer. Verändert hat sich deine Fähigkeit, es zu messen, zu korrigieren und mit Gewissheit kreativ zu arbeiten.

Willkommen bei der Grundlage.

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